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Grafik Design fühlt sich manchmal SO an!

Rob sagte mir heute Morgen, ich solle doch auch mal einen Artikel für unser Magazin schreiben. Selbst gewähltes Thema. Egal was. Irgendwas. „Du kannst was schreiben, zeichnen oder fotografieren. Ich weiß... du bist nicht begeistert. Aber probier’s doch mal“. Okay, dachte ich. Mach ich. Ist ja schließlich auch schwierig dem Chef „Nein“ zu sagen. Und ich kann ja auch mal was Neues versuchen, dachte ich optimistisch.

Leider führt eine völlig freie Themenwahl bei mir gelegentlich dazu, das mein Kopf wahlweise überquillt oder schlicht leer bleibt, obwohl ich mich gleichermaßen darüber freue, mich austoben zu können. Also mach ich das doch einfach zum Thema. Die Angst vor dem leeren Blatt. Das betrifft schließlich nicht nur Menschen, die schreiben. Sondern eben auch Menschen, die gestalten.

Zum Beispiel erarbeiten wir gerade ein inhaltliches und visuelles Konzept für die zweite Ausgabe der Grütze, die im Januar erscheinen soll. Das Thema ist spannend und vielseitig. Und mein Anspruch ist natürlich, dass die visuelle Übersetzung ebenso spannend und vielseitig ist. Alles ist möglich.
Ich weiß nicht, wie es Anderen geht. Aber bei mir stellt sich die „Angst“ vorm leeren Blatt oft mitten im Projekt ein. Das war schon damals bei der praktischen Führerscheinprüfung so: Die Nervosität kam erst, als ich schon zehn Minuten fuhr: Ein zitterndes Bein an der Kupplung und in der Folge Abwürgen an der roten Ampel.
Zum Projektstart, also am Zündschloss, bin ich hingegen erst mal euphorisch und hab Bock.

Ich fange also an zu recherchieren. Worum geht’s hier eigentlich? Gibt es Elemente, die ich für die Gestaltung verwenden und/oder modifizieren kann, die mich inspirieren? Welche Schrift könnte passen? Ich sammle also. Vor allem Informationen. Formen, Farben, Typografie.
Wenn ich davon genug habe, fange ich an zu sortieren. Erstelle Moodboards. Erarbeite eine Stimmung fürs Visuelle. Danach geht’s erst Los. Und dann … ? Das hohle Rauschen in meinem Kopf. Ein großer Berg aus Gedanken, der droht in sich zusammenzubrechen und mich zu überrollen. Ich würge ab: „Ich kann ja gar nix, hab nix gelernt, alles Mist, warum machen Andere immer so tolle Sachen. Ich will auch tolle Sachen machen!“ Das Verrückte dabei ist, dass ich, so viel Selbstbewusstsein muss kurz sein, schon viele tolle Sachen gemacht habe (ein paar waren auch dabei, die waren nicht so toll; die darf auch niemand sehen). Rational betrachtet weiß ich also, dass am Ende was Gutes stehen wird.

Was hilft?
Keine Ahnung. Vermutlich weitermachen. Zwischendurch mal rausgehen, mit den Kolleg_innen schnacken, eine rauchen, einen Kaffee trinken oder einen Schokoriegel essen. Oder auch was ganz anderes machen. Zum Beispiel wie ne Wahnsinnige in 30 Sekunden Han Solos zeichnen.

Das Schöne ist, dass ich mittlerweile soweit bin, dass ich an mich selber nicht mehr den Anspruch habe, Paula Scher oder Stefan Sagmeister sein zu müssen. Sondern einfach nur Chrissi. Und die kann ganz gut gestalten.